Sterben – in Würde gehen

Zur Zeit begleite ich die Katze einer Freundin auf Ihrem Weg… ins Licht?… über die Regenbogenbrücke?… oder einfach: beim Sterben.
Nunja, ich begleite meine Freundin, vielleicht weniger ihre Katze. Die nämlich weiß genau wann und wie für sie der richtige Zeitpunkt ist. Wir wissen das nicht, wir können „nur“ dabei sein, begleiten und oft ist es mehr ein „aushalten“. Die Katze ist austherapiert, schwer nierenkrank, schon seit einigen Wochen frisst sie schlecht, wird immer weniger und deutlich schwächer.
Und meine Freundin muss viel aushalten. Nicht nur, dass sie dem geliebten Tier beim Sterben beistehen möchte – nein – sie wird auch ständig damit konfrontiert, dass die Menschen sagen: „Aber pass bloß auf, dass Du es nicht zu lange rauszögerst. Sei vorsichtig, dass Du zur rechten Zeit das Ende setzt… “
Ich finde das gleichermaßen schwierig und traurig. Ja, manche Menschen beneiden die Tiere fast. Es sei ja so viel einfacher, dass man eingeschläfert werden kann und nicht leiden muss…

Ich habe hier eine andere Meinung. Ich bin keinesfalls grundsätzlich gegen die Euthanasie. Es gibt Menschen und Tiere, für die ist das der beste Weg. Auch ich habe schon Tiere einschläfern lassen und auch in meiner Tätigkeit als Tierkommunikatorin hatte ich schon häufig den Fall, dass ich dazu geraten habe, dass Tier hier und nun gehen zu lassen und dies gerne mit Unterstützung des Tiermediziners.

Aber ich bin immer und jederzeit der Meinung, dass es eine stimmige Entscheidung sein soll, wie die Seele gehen darf. Das Tier sollte mitentscheiden dürfen und der Mensch an seiner Seite darf sich auch zutrauen, eine Entscheidung bis zu dem Moment aufzuschieben, an dem es wirklich uns absolut in sein Gefühl passt.
Am schwierigsten für mich zu ertragen, ist der Schmerz, den Menschen im Herzen tragen, wenn sie sich fragen: „War ich zu früh? Hätte man noch etwas tun können? Wollte mein Tier überhaupt schon sterben?“

Die Seele – egal ob menschlich oder tierisch – weiß genau, dass sie entscheiden kann. Wenn es der Seele zu viel wird, dann entscheidet sie zu gehen – und dann ist alles okay so wie es ist. Dann ist es für die, die zurückbleiben, trotzdem schwer. Es gilt, sich mit der Trauer auseinanderzusetzen und schwere Stunden auszuhalten.

Meine Freundin sagte die Tage: „Ohne Dich wäre sie schon tot. Ich wäre schon vor einiger Zeit beim Tierarzt gewesen.“ Nun ist es anders, die Katze lebt immernoch. Ich bin täglich mindestens zweimal mit ihr in Kontakt, frage sie, wie es ihr geht und ob wir etwas tun sollen. Und sie ist so sehr im reinen mit sich selbst, sie schläft viel, schaut nach innen und genießt wache Stunden, Streicheleinheiten und wahnsinnig viel (Herz-)wärme.

Ich wünsche mir mehr dieser großartigen Menschen, die bereit sind, den Weg mit ihrem Tier zu gehen – so wie es für sie und ihr Tier richtig ist.

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